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Welpenentwicklung - ab der achten Lebenswoche

Die meisten Welpen ziehen in der Zeit zwischen dem Ende der achten und der zehnten Lebenswoche in ihr neues Zuhause bei ihrem neuen Besitzer um. Dies ist durchaus ein günstiger Zeitpunkt, weil sie sich dann bereits am Anfang der Sozialisierungsphase befinden. Damit ist ihre Entwicklung aber noch lange nicht abgeschlossen, auch im neuen "Rudel" müssen sie noch viel lernen, bis sie erwachsen sind. Da Menschen keine Hunde sind, und den Hund deshalb auch anders erziehen, kann es auch sinnvoll sein, die Welpen noch länger bei ihrer Mutter und ihren Wurfgeschwistern zu lassen. Eher sollte man sie jedenfalls auf keinen Fall trennen. Aber auch Welpen, die noch bei ihren Wurfgeschwistern verbleiben, brauchen viel Kontakt zu und Umgang mit Menschen.

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Die Zeit von der achten bis zur zwölften Lebenswoche

Die Welpen sind jetzt entwöhnt, sie brauchen die Mutter also nicht mehr direkt für ihre Ernährung. Sie sind aber noch nicht fähig, sich selbst zu ernähren. Auch sonst werden sie zunehmend unabhängig von ihr, und der Vater und andere Angehörige des Rudels werden für die Sozialkontakte und die Erziehung immer wichtiger. Allerdings ist der Familienverband immer noch deutlich, kein Welpe würde freiwillig sein Rudel verlassen. Im neuen Menschen"rudel" brauchen die Welpen vor allem jemanden, der sich mit ihnen beschäftigt, sie brauchen Anregung und auch Erziehung. Sie werden nie mehr so schnell und effektiv lernen wie in dieser Zeit.

Kommunikation

Während dieser Zeit lernen die Welpen die Verhaltensweisen, die für die Kommunikation mit den anderen Rudelmitgliedern wichtig sind und in der Folge lernen sie, ihren Platz im Rudel zu finden. In dieser Zeit steht das Erlernen sozialer Verhaltensweisen im Vordergrund. Die Hunde lernen, wie sie sich gegenseitig etwas mitteilen können, und sie lernen, die Bedeutung der Mitteilungen anderer Hunde zu verstehen. Sie üben das neu gelernte ausgiebig untereinander und probieren die Wirkung auf andere Hunde und auch auf Menschen aus. Für eine gesunde Entwicklung sind intensive Kontakte zu Artgenossen und zu Menschen unverzichtbar.

Die Kommunikation mit dem Artgenossen funktioniert über Blicke, Gestik, Körperhaltung und Lautäusserungen. Alle diese Verhaltensweisen werden ausprobiert und die Wirkung auf das Gegenüber wird beobachtet. Viele Verhaltensweisen werden ihnen von ihrem Vater oder einem anderen erwachsenen Hund gezeigt, die Mutter ist um so aktiver, je weniger andere Hunde diese Rolle übernehmen können. Da der Mensch diesen Teil der Erziehung nicht übernehmen kann, sind möglichst häufige Kontakte zu Artgenossen sehr wichtig. Ein Hund der die sozialen- und Kommunikationsverhaltensweisen nicht richtig einzusetzen lernt, wird sein Leben lang Probleme bekommen und Probleme machen.

Raufen und Kommunizieren

Das Toben und Spielen der Welpen bekommt jetzt mehr und mehr den Charakter von Kämpfen und Kampfspielen. Dabei gibt es immer wieder Sieger und Verlierer, in wechselnden Rollen. Dadurch üben sie auch ihr Ausdrucksverhalten. Dominanz und Unterwerfung, Aggression und Beschwichtigung werden ausgedrückt und verstanden.

Im Eifer des Gefechts kommt es vor, dass einzelne Welpen vor Schmerzen schreien oder jaulen. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass die Spiele doch recht heftig sind, sollte man nicht eingreifen. Die Raufereien und Kämpfchen sind wichtiger Teil der Sozialisation und dienen der notwendigen Festlegung der Rangreihe untereinander. Ernste Verletzungen kommen normalerweise nicht vor. Nur wenn die Welpen nicht mit ihren eigenen Wurfgeschwistern, sondern mit anderen Welpen spielen und toben, sollte man darauf achten, dass zumindest ungefähr gleich große miteinander raufen. Die Größen- und Gewichtsunterschiede gleichaltriger Welpen verschiedener Rassen könnten Anlass für Verletzungen sein.

Wenn man die Welpen in dieser Phase voneinander trennt, muss man dafür sorgen, dass der Kontakt zu Artgenossen in ausreichender Menge stattfindet. Denn das soziale Verhalten der Hunde untereinander lernt der Hund nur vom Hund, nicht vom Menschen. Die Lektionen, die die Welpen in dieser Phase lernen, sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass die erwachsenen Hunde später gut mit Hunden und auch mit Menschen zurecht kommen.

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Kommunikation mit Ranghöheren

In dieser Zeitspanne setzt jetzt auch eine umfassende Erziehung durch erwachsene Rudelmitglieder, vor allem durch den Vater der Welpen ein. In der Natur ist dieser meistens auch der Rudelführer. Wichtigstes Merkmal dieser Erziehung ist Konsequenz und die Forderung nach Disziplin. Die Welpen lernen, die Autorität der Erwachsenen uneingeschränkt anzuerkennen. Dabei machen sie immer wieder Versuche, den Gehorsam zu umgehen. Erst wenn sie von der Ernsthaftigkeit der Forderung überzeugt sind, geben sie ihren Widerstand auf und erkennen die Autorität der Älteren bedingungslos an.

Der wichtigste Inhalt dieser Erziehung ist Gehorsam gegenüber den Ranghöheren. Dieser Ranghöhere vermittelt die Verhaltensweisen, mit denen die Welpen den Verhaltensregeln des Rudels am besten entsprechen können. Wenn er den Welpen von seinem Rudel trennt, muss der Mensch die Rolle des Ranghöheren, des Vaterrüden übernehmen. Dabei kann er dem Welpen dann die Verhaltensweisen vermitteln, die für das Zusammenleben von Mensch und Hund von Bedeutung sind. Der Welpe wird sich hier auch ganz genau so verhalten, wie gegenüber seinen Rudelmitgliedern. Er wird die Ernsthaftigkeit ihrer Forderungen auch mehrmals in Frage stellen, bevor er bedingungslos gehorcht. Die Konsequenz des Erziehers wird dabei sehr oft auf die Probe gestellt. Wenn der Mensch geduldig und konsequent auf seinen Forderungen beharrt, wird der Welpe lernen, die Autorität des Menschen genauso bedingungslos anzuerkennen. Die Bereitschaft zur Anerkennung von Autorität ist im Welpen bereits angelegt, man muß sich den Status als Autorität aber auch vor dem Welpen verdienen. Das gelingt am besten durch Konsequenz.

Während die Hunde ihre Welpen zum Beispiel durch Packen im Nackenfell bestrafen, kann der Mensch dies meistens durch den Einsatz seiner Stimme tun. Während die Welpen von ihren Rudelmitgliedern regelrecht Prügel bekommen, sollte man das als Mensch vermeiden. Die Disziplinierung eines Welpen ist auch ohne Prügel möglich.

Der Welpe lernt sowohl durch Strafen als auch durch Belohnung. Es ist oft einfacher, erwünschtes Verhalten zu belohnen, als unerwünschtes zu bestrafen, denn im zweiten Fall kann der Welpe zwar das unerwünschte Verhalten unterlassen, aber er muss ja stattdessen etwas anderes tun. Einfacher ist es, ihn direkt für die erwünschten Verhaltensweisen zu belohnen, dann weiß er, was er tun kann und sollte.

Der Welpe hat die Bereitschaft zum Lernen. Je spielerischer dieses in dieser Zeit gestaltet wird, um so gelehriger wird er sich zeigen und um so größer werden seine Fortschritte sein. Ausserdem erhält sich durch spielerisches, erfolgsbetontes Lernen die Bereitschaft zum Weiterlernen ein Leben lang.

Jagd und Beuteverhalten

Wenn die Welpen in der Natur leben würden, würde die Hundemutter nun damit anfangen, ihnen lebende Beute zu bringen, damit sie die Jagd und den Umgang mit der Beute üben. Ersatzweise kann man den Welpen Bälle oder andere Spielzeuge geben.

Futter und Rangordnung

Am Futternapf zeigt sich die Rangordnung. So ist es ganz natürlich, dass die Welpen jetzt genau dort ihre Rangordnung zu klären versuchen. Es wird viel geknurrt, geschnappt, und auch um das Futter gerauft. Wenn genug da ist und man nicht eingreift, bekommen am Ende trotzdem alle genug ab. Die Welpen lernen dabei, auf welche Weise man sich durchsetzt und damit zuerst fressen darf. Die anderen kommen dann erst danach dran. Im menschlichen "Rudel" wird dann nicht mehr um das Futter gerauft, aber der Welpe lernt schnell, dass er nicht derjenige ist, der zuerst fressen darf. Die Menschen bestimmen, was und wie viel er abbekommt und sichern dadurch ihren Status in den Augen des Hundes.

Beisshemmung

Welpen beissen gerne kraftvoll in alles und beobachten dann das Resultat. Wenn sie so in eins ihrer Wurfgeschwister beissen, dann schreit oder jault dieses lautstark und spielt fürs erste nicht mehr mit. Manchmal beisst es auch zurück. Beides zeigt dem jungen Hund, dass Beissen zu unerwünschten Resultaten führt. Selbst gebissen werden ist unangenehm, das Beenden des Spiels ist es auch. Sie lernen schnell, dass der andere weiter mitspielt, wenn sie weniger stark zubeissen. Dadurch lernen sie, ihre Kraft zu dosieren und sind bald in der Lage, ganz zart zuzufassen.

Dieses Verhalten müssen sie auch im Umgang mit dem Menschen lernen. Auch hier kann es passieren, dass sie im Spiel in die Hand oder in andere Körperteile beissen. Als Mensch verhält man sich in der Situation am besten wie ein anderer Welpe. Man schreit oder quietscht lautstark und spielt nicht mehr mit. Nachdem man den Hund eine Zeit lang ignoriert hat, kann man weiter spielen, nachtragend sein ist unnötig. Der Hund wird bald lernen, dass er weder Menschen noch andere Rudelmitglieder beissen darf und diese Beisshemmung bleibt ein Leben lang erhalten.

Fortsetzung folgt.

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