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Der Diabetikerwarnhund

Die Zahl der Diabetiker steigt, und damit auch die Zahl derer, die an Hypowahrnehmungsstörungen leiden. Diabetikerwarnhunde können hier die Sicherheit und die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Diabetiker sind gefährdet, eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu erleiden. Dieser Zustand ist nicht nur unangenehm, sondern auch potentiell lebensgefährlich und sollte deshalb unbedingt vermieden werden. Aus diesem Grund messen Diabetiker regelmäßig ihren Bluzucker, nehmen regelmäßig ihre Medikamente und planen ihre Mahlzeiten sorgfältig. Zusätzlich tragen eigentlich alle Diabetiker eine oder mehrere Portionen Traubenzucker oder andere Hilfsmittel für Notfälle mit sich herum, so dass sie die Symptome schnell beenden können, falls es doch mal passiert. Die Anwendung des Traubenzuckers oder anderer, den Blutzuckerspiegel erhöhender Maßnahmen setzt allerdings voraus, dass der Diabetiker seinen Zustand rechtzeitig bemerkt. Unter verschiedenen Umständen kann es vorkommen, dass die (drohende) Unterzuckerung nicht bemerkt wird. Hier kann ein Diabetikerwarnhund helfen.

Übersicht über den Artikel:

Symptome des Unterzuckers

Wer ist gefährdet?

Der Diabetikerwarnhund für gefährdete Diabetiker

Leistung und Aufgaben des Diabetikerwarnhundes

Geeignete und weniger geeignete Hunde

Die Ausbildung

Rechtslage

Fazit

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Symptome des Unterzuckers

Eine Hypoglykämie ist ein Zustand, in dem der Zuckergehalt des Blutes unter einen kritischen Wert absinkt. Das bedeutet, dass die Versorgung mit Energie nicht mehr sichergestellt ist. Es handelt sich also um einen potentiell lebensbedrohlichen Zustand. Vor allem die Versorgung des Gehirns mit Glucose, also Zucker, ist lebenswichtig, denn im Gegensatz zur Muskulatur kann das Gehirn nicht mit Energie aus Fett versorgt werden.

Wenn der Blutzuckerspiegel also zu stark absinkt, dann gibt es zum einen die Symptome dieser Unterversorgung, und es gibt zum anderen die Symptome, die durch die Versuche des Körpers, der Unterzuckerung entgegenzuwirken, ausgelöst werden.

Eine Hypoglykämie geht im Allgemeinen einher mit Schwitzen, Herzrasen, Blässe oder weißer Gesichtsfarbe, vor allem um die Nase herum, geweiteten Pupillen, Zittern, Schwäche. Heißhunger ist der Versuch des Körpers, den Menschen zum Essen von Zucker zu veranlassen. Aber auch die Unterversorgung des Gehirns macht sich bemerkbar, mit Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, schlechter Laune, unter Umständen auch Aggressivität. Wenn die Hypoglykämie auch dann noch nicht behandelt wird, treten weitere Symptome hinzu, wie Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Desorientiertheit. Später kann der Diabetiker ins Koma fallen, unter Umständen steht am Ende der Tod. Subjektiv können die Symptome allerdings ganz unterschiedlich wahrgenommen werden.

Als weiteres Symptom muss der für den Menschen nicht wahrnehmbare Geruch der Unterzuckerung genannt werden. Dieser Geruch verändert sich, je nach Ausmaß der Unterzuckerung. Hunde können das riechen, auch schon lange, bevor es kritisch wird.

Eigentlich handelt es sich um sehr deutliche, auch unangenehme Symptome, die den Betroffenen zum Handeln veranlassen. Es gibt aber eine Reihe von Situationen, in denen das nicht so gut funktioniert. Vor allem müssen die Symptome rechtzeitig bemerkt werden, um noch handeln zu können. Es kann unter Umständen sehr schnell eine kritische Situation eintreten, der Diabetiker kann überrascht werden.

Wer ist gefährdet?

Die Wahrscheinlichkeit einer Unterzuckerung ist ungleich verteilt. Gesunde erleiden so gut wie nie Hypoglykämien. Typ-2-Diabetiker, die keine Medikamente einnehmen, sind wenig (nicht garnicht) gefährdet. Alle Diabetiker, die Insulin spritzen oder Tabletten einnehmen, um die Insulinproduktion anzuregen, sind grundsätzlich stark gefährdet, also unter anderem alle Typ-1-Diabetiker. Daneben kann unter Umständen eine Medikamenteneinnahme, die garnichts mit dem Diabetes zu tun haben muss, Unterzuckerungen nach sich ziehen. Manche Erkrankungen können die Insulinwirkung und damit den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Unterzuckerungen können vorkommen, wenn Mahlzeiten nicht regelmäßig eingenommen werden oder nicht den erwarteten Kohlenhydratgehalt haben. Es kann auch vermehrt im Zusammenhang mit intensiver oder lang andauernder körperlicher Betätigung vorkommen, vor allem, wenn der Diabetiker nicht daran gewöhnt ist.

Unterzucker-gefährdet sind also im Grunde alle Diabetiker, aber in besonderem Maße trifft es die Typ-1-Diabetiker und die, die etwas undiszipliniert mit ihrem Diabetes umgehen, also zum Beispiel Kinder. Daneben steigt die Gefährdung mit dem Alter an, weil es vorkommt, dass die Symptome einer Unterzuckerung von langjährigen Diabetikern nicht mehr oder nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen werden.

Die Folgen einer Unterzuckerung sind für alleinlebende Diabetiker eher dramatisch als für solche mit Familie. In jedem Fall ist es notwendig, eine Unterzuckerung möglichst schnell zu bemerken und zu behandeln, mit einfachem Traubenzucker oder anderen Mitteln.

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Der Diabetikerwarnhund für gefährdete Diabetiker

Für alle die, die häufige Hypoglykämien erleiden, die sie vielleicht nicht (mehr) so gut rechtzeitig bemerken, und auch für alle, bei denen die Folgen besonders dramatisch ausfallen könnten, kann ein Diabetikerwarnhund eine Lösung sein. Denn zum einen ist die Hypoglykämie eine ernste Komplikation und zum anderen kann die berechtigte Angst vor der Unterzuckerung die Lebensqualität deutlich verschlechtern. Hypowahrnehmungsstörungen sind weit verbreitet, der speziell ausgebildete Hund kann auch unter diesen Umständen ein normales Leben ohne Angst ermöglichen.

Natürlich ist auch ein Diabetikerwarnhund ein Hund. Er ist also nur für solche Menschen geeignet, die mit einem Hund leben wollen und können, die ihn versorgen und sich um seine Bedürfnisse kümmern.

Leistung und Aufgaben des Diabetikerwarnhundes

Zunächst ist ein Diabetikerwarnhund ein ganz normaler Hund, dessen Mensch eben Diabetiker ist. Er lebt mit ihm zusammen, verhält sich wie ein ganz normaler, gut erzogener Hund und hat auch alle Bedürfnisse eines ganz normalen Hundes.

Daneben ist er aber auch noch ein Hund mit einer sehr speziellen Ausbildung. Er kann eine Unterzuckerung nicht nur riechen, sondern er hat gelernt, darauf zu reagieren. Er warnt seinen Halter vor der drohenden Hypoglykämie, bevor dieser selbst bemerkt, was mit ihm passiert. Das ist die wichtigste Aufgabe dieses speziell ausgebildeten Hundes.

Damit sind seine Fähigkeiten aber nicht erschöpft. Ein Diabetikerwarnhund ist auch ein voll ausgebildeter Assistenzhund, er kann seinen Halter also auf vielfältige Weise unterstützen. Das reicht vom Bringen bestimmter Gegenstände, also zum Beispiel Messgeräten, Traubenzucker, Getränken, über das Betätigen von Schaltern, zum Beispiel Lichtschalter oder Notschalter, bis zum Hilfeholen, wenn es doch mal passiert ist, zum Beispiel durch anhaltendes Bellen. Er kann erkennen, wenn sein Halter zum Beispiel verwirrt ist und nicht mehr nach Hause findet und ihn dann führen. Der Hund bemerkt die Unterzuckerung auch nachts und kann seinen Halter dann wecken. Er kann, je nach spezieller Situation, die unterschiedlichsten Aufgaben erlernen und auf Kommando ausführen.

Selbstverständlich ist er ein perfekt sozialisierter Hund, der sich in der Öffentlichkeit benehmen kann, der nicht auffällt, der sich anderen Menschen und Hunden gegenüber völlig neutral verhält.

Geeignete und weniger geeignete Hunde

Grundsätzlich kann fast jeder Hund zum Diabetikerwarnhund ausgebildet werden. Aufgrund der aufwendigen, teuren Ausbildung empfiehlt es sich aber, die Auswahl des zukünftigen ständigen Begleiters sorgfältig zu betreiben. Ein Hund mit Schutztrieb oder Schutzhundeausbildung ist nicht geeignet, denn im Falle eines Falles muss er zulassen, dass sich andere Menschen um seinen dann hilflosen Halter kümmern. Hunde der sogenannten Kampfhunderassen sollten nicht gewählt werden, denn sie werden in der Öffentlichkeit nicht neutral wahrgenommen und können deshalb ihre Aufgaben nicht korrekt erfüllen. Größere Hunde können ein paar mehr Aufgaben bewältigen als kleine Hunde, aber das ist nur am Rande wichtig. Besonders geeignet sind ruhige, ausgeglichene, nicht ängstliche oder schreckhafte, nicht aggressive, vor allem aber gesunde, robuste Hunde. Ob Rassehund oder Mischling, ist ganz egal. Ob Rüde oder Hündin, ist auch egal. Der Hund sollte jedoch am Ende der Ausbildung kastriert sein.

Die Ausbildung

Die Ausbildung eines Diabetikerwarnhundes dauert etwa 18 Monate, während denen der Hund am besten gemeinsam mit seinem Halter lernt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, den Hund in einem Ausbildungszentrum ausbilden zu lassen und sich dann in einer deutlich kürzeren Schulung in den Umgang mit dem Hund einweisen zu lassen. Die Ausbildung ist aufwendig und deshalb natürlich auch recht teuer. Wer sich das nicht leisten kann, der kann sich vielleicht beim Verein "Menschen für Hunde-Hunde für Diabetiker e.V." externer Link über Möglichkeiten informieren, trotzdem zu einem ausgebildeten Hund zu kommen.

Am Ende der Ausbildung legen Hund und Halter eine Prüfung ab. Diese Prüfung zeigt nicht nur, dass beide ihre Aufgaben und ihr Zusammenwirken gelernt haben, sie macht den Hund auch zu einem anerkannten Assistenzhund mit besonderen Rechten.

Wenn der Diabetiker ein Kind ist, dann werden die Eltern oder Erziehungsberechtigten in die Ausbildung des Hundes mit einbezogen. Sie gewinnen dadurch nicht nur einen hervorragenden Familienhund, mit allen Vorteilen, die das Aufwachsen mit einem Hund für ein Kind bietet, sondern sie gewinnen auch ein gutes Stück Sicherheit, die ständige Sorge um das diabetische Kind wird deutlich verringert.

Im täglichen Zusammenleben werden alle erlernten Aufgaben immer wieder geübt werden müssen, damit der Hund auch in seltener vorkommenden Situationen immer richtig reagieren kann. Der ausgebildete Hund erleichtert also nicht nur das Leben, er fordert auch ständige Beschäftigung und Weiterbildung.

Rechtslage

Diabetikerwarnhunde mit bestandener Prüfung tragen eine spezielle Weste, die als Ausweis dient, gleichzeitig führt ihr Halter einen Ausweis mit sich. Damit darf der Hund, genau wie ein Behindertenbegleithund, ein Blindenhund oder ein Assistenzhund, seinen Diabetiker überallhin begleiten, auch an Orte, an denen normalerweise keine Hunde zugelassen sind. Zum Beispiel wird ein Kind seinen Hund mit in die Schule nehmen. Das ist jedenfalls die Theorie. In der Praxis werden das Hausrecht von Geschäftsinhabern und vergleichbare Rechte oft höher bewertet werden. Es bleibt zu hoffen, dass hier die Rechte von Diabetikern, Behinderten und allen, die auf die Hilfe von Assistenzhunden angewiesen sind, bald besser respektiert werden.

In den meisten Gemeinden sind Diabetikerwarnhunde wie andere Assistenzhunde von der Hundesteuer befreit. Da der Unterhalt dieses oft lebensnotwendigen Hundes ansonsten Privatsache ist, ist das immerhin ein kleines Zugeständnis. An manchen Orten gibt es zusätzliche Privilegien, wie die zum Beispiel die Befreiung vom Leinenzwang, aber das ist von Gemeinde zu Gemeinde und von Stadt zu Stadt verschieden.

Fazit

Die Anschaffung eines Hundes ist immer ein kleines Abenteuer. Die Investition in einen speziell ausgebildeten Hund, der dann zum ständigen Begleiter rund um die Uhr wird, ist sicherlich ein etwas größeres Abenteuer. In jedem Fall gewinnt der Diabetiker, der sich für einen Diabetikerwarnhund entscheidet, sehr viel. Die Lebensqualität steigt deutlich an, wenn man keine Angst mehr vor der Hypoglykämie haben muss. Die gemeinsame Ausbildung, das tägliche gemeinsame Üben, die erreichten Erfolge verbinden Hund und Mensch, stärken das Selbstbewusstsein und die Lebensfreude. Und schließlich ist so ein Hund auch gut für die Gesundheit im Allgemeinen. Er sorgt wie jeder andere Hund dafür, dass sein Mensch raus geht, sich an der frischen Luft bewegt.

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