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Verhaltensweisen: Beschwichtigungssignale

Beschwichtigungsgesten oder Beschwichtigungssignale spielen eine wichtige Rolle in der Kommunikation der Hunde. Sie werden manchmal auch englisch als calming signals, Beruhigungssignale bezeichnet.

Beschwichtigungssignale werden von Hunden eingesetzt, um sich selbst und andere Hunde oder Menschen zu beruhigen, um Aggressionen zu stoppen, um Konflikte zu lösen oder um einfach Freundlichkeit zu demonstrieren. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Vermeidung offener Aggression. Wenn der Rangniedere vor dem Ranghöheren beschwichtigt, dann findet keine Aggression mehr statt. Wenn der Ranghohe beschwichtigt, dann beruhigt sich die Stimmung im Rudel. Die Beschwichtigungsgesten sind beim Hund genetisch festgelegt, sie müssen also nicht erst gelernt werden. Menschen müssen sie allerdings lernen, wenn sie Hunde besser verstehen möchten. Einige dieser "calming signals" können auch vom Menschen in der Kommunikation mit dem Hund verwendet werden, dies wird vom Hund durchaus verstanden.

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Die Beschwichtigungssignale der Hunde

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Beschwichtigungssignale

Die Forschung hat eine Vielzahl von Beschwichtigungssignalen identifiziert, dazu gehören:

Die Liste ist sicher nicht vollständig.

Bedeutung der Beschwichtigungssignale

Beschwichtigungssignale dienen der Kommunikation. Der Hund möchte anderen Hunden oder auch Menschen etwas mitteilen. Zum Beispiel die eigene Befindlichkeit, dass er sich gerade unwohl fühlt. Das kann durchaus auch als Bitte interpretiert werden, ihm freundlich zu begegnen beziehungsweise das derzeitige Verhalten zu beenden. Wenn ein Hund zum Beispiel ein Kleinkind beschwichtigt, das in seiner Begeisterung an den Haaren des Hundes zieht und ihn auch sonst bedrängt, dann beinhaltet das durchaus die Aufforderung, damit aufzuhören. Viele Beschwichtigungssignale beinhalten auch die Aufforderung, auf Aggression zu verzichten: "Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts!".

Hunde beschwichtigen auch in Situationen, in denen sie sich unsicher fühlen. Zum Beispiel wird ein Hund, der auf ein Kommando hin zwar weiß, dass jetzt etwas von ihm erwartet wird, aber nicht was er jetzt genau tun soll, sicher Beschwichtigungssignale zeigen. Denn er merkt, dass er den Erwartungen nicht gerecht wird und möchte die daraus folgende Aggression vermeiden.

Die Beschwichtigungssignale können miteinander verbunden werden, zum Beispiel kann ein Hund ganz langsam, im Bogen auf seinen Menschen zulaufen, wenn er dessen schlechte Laune bemerkt. Dabei kann er auch noch blinzeln und sich über die Nase lecken, eventuell zwischendurch noch ein kleines Loch buddeln. Welche Beschwichtigungssignale ein Hund bevorzugt, ist individuell verschieden und auch von Rassebesonderheiten abhängig. So wird ein Hund mit langen Haaren, die seine Augen verdecken, mit Blinzeln oder Augenzukneifen keine Reaktion erzielen. Er wird also lernen, andere Beschwichtigungssignale zu benutzen.

Beschwichtigung in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch

Alle Beschwichtigungssignale sind normale Hundeverhaltensweisen, die auch in anderen Kontexten gezeigt werden. Die Bedeutung ergibt sich also erst aus dem Zusammenhang. Insbesondere für Menschen, die in der Interpretation der Beschwichtigungssignale noch ungeübt sind, besteht also die Möglichkeit der Fehlinterpretation. Hunde machen manchmal auch noch etwas anderes als beschwichtigen.

Wenn man als Hundehalter in der Kommunikation mit dem Hund selbst Beschwichtigungssignale einsetzt, so kann man seinem Hund dadurch Sicherheit vermitteln und die Bindung stärken. Das gegenseitige Verstehen wird dadurch deutlich verbessert.

Vermeiden sollte man die Bestrafung von Beschwichtigungssignalen, auch wenn das manchmal garnicht so einfach ist. Denn ein Hund, der für seinen Versuch, Aggressionen abzuwenden, ausgerechnet aggressives Verhalten erntet, wird die Welt nicht mehr verstehen. Die richtige Interpretation der Situation muss vom Menschen gelernt werden. Zum Beispiel ist es nicht unbedingt Ungehorsam, wenn ein Hund, der zum Kommen aufgefordert wird, sich statt dessen hinsetzt und hinter dem Ohr kratzt. Oder sich zeitlupenartig langsam bewegt und unterwegs noch Zeit hat für alles mögliche Interessante. Je mehr man sich mit seinem Hund beschäftigt, um so besser wird man seine "Sprache" verstehen.

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